Tag 12 – Montag

Heute verlief der Tag anders als erwartet. Als ich zur Klinik kam, traf mich direkt der Schock: Ich war eine Station früher ausgestiegen und sah neben den Schienen auf der Kreuzung einen Unfall. Ein schwarzes Auto lag auf dem Dach, überall Polizei und Krankenwagen. Es war ein beklemmender Anblick, der mir durch Mark und Bein ging. Ich zitterte, als ich schließlich die Klinik betrat.

Drinnen sagte ich nur kurz, was passiert war, und versuchte mich abzulenken. Ich sortierte meine Sachen und räumte ein wenig auf, bevor meine Zimmernachbarin kam.

Vor dem Abendbrot haben sich noch einige für die Schlüsselbänder bedankt, was mir ein kleines gutes Gefühl gab. Doch insgesamt war die Stimmung irgendwie gedrückt, alle hingen ein wenig durch.

Während des Essens war ich noch immer total aufgekratzt und zitterig, also ging ich zur Pflege, um meinen Blutdruck messen zu lassen. Die Schwester stellte fest, dass meine Hände eiskalt waren. Der Blutdruck war mit 115/79 in Ordnung – aber mein Puls lag in Ruhe bei 194. Ich fragte mich, ob das auch mit dem weiteren Abnehmen zusammenhängt oder ob es einfach der Schock war.

Ich nahm eine Lasea-Kapsel, um etwas runterzukommen, und erzählte vielleicht auch noch von dem Unfall. Die Schwester meinte dann etwas über das „bunt malen“ von schwarzen Dingen und dass man sich eine bedrohliche Situation stattdessen anders vorstellen soll – wie jemanden mit einem Blumenstrauß. Ich fand das merkwürdig. Solche Fantasie habe ich in solchen Momenten einfach nicht, und das ist leichter gesagt als getan. Ich glaube, sie meinte es gut, aber für mich fühlte sich das irgendwie unpassend an.

Ich aß dann weiter mein Brot, das ich vor dem Wochenende gekauft hatte, und versuchte, mich auf den Abend einzulassen.

Später zog ich mich aufs Zimmer zurück und arbeitete noch meine Tagesklinik-Unterlagen nach. Danach schaute ich nach Wohnungen – speziell für die Mieter, die einfach nicht aus dem Reihenhaus meines Vaters ausziehen, obwohl sie längst weg sein sollten. Angeblich finden sie nichts, aber das zieht sich jetzt schon fast ein Jahr hin. Es macht mich enttäuscht, traurig und mittlerweile auch sauer. Wir wollen endlich ankommen, aber solange sie dort bleiben, blockiert es alles. Wahrscheinlich bleibt nur noch die Räumungsklage – sie scheinen es einfach auszusitzen.

Um mich abzulenken und runterzufahren, werde ich mich jetzt mit Paracord beschäftigen. Dieses Knüpfen hilft mir, wieder etwas Ruhe zu finden.

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