Tag 6 – Ein schwerer Sonntag zwischen Tränen und Trost

Morgen: Ein Tiefpunkt.

Der Sonntag begann düster. Schon beim Aufwachen war da diese tiefe, erdrückende Traurigkeit. Es war einer dieser Tage, an denen alles schwerfällt – selbst das Atmen fühlte sich anstrengend an. Ich lag einfach da, unfähig, mich zu bewegen, während mir die Tränen über das Gesicht liefen.

Blutdruck war niedrig, was die Erschöpfung noch verstärkt hat.

Ich wusste nicht genau, warum es mich so überrollte, aber es war da – dieses Gefühl von Leere, Verlust, Sehnsucht nach all dem, was mir fehlt. Ich habe viel nachgedacht, an das letzte Jahr, an die ganzen Verluste. Es war, als würde alles auf einmal über mich hereinbrechen.

Die Station war ungewöhnlich leer, da viele Patienten das Wochenende zu Hause verbrachten. Ich hatte mich jedoch bereits am Freitag dafür entschieden, meine Belastungserprobung über Nacht auf Samstag zu legen, sodass ich mich nochmal auf den Weg zur Tagesbelastung gemacht habe.

Beim Frühstück saß ich alleine in Gedanken versunken vor meinem Brötchen mit Honig. Essen fühlte sich an diesem Morgen eher wie eine Notwendigkeit an als etwas, das mir Freude bereitete. Meine Emotionen lagen schwer auf mir, und ich merkte, dass ich kaum Kraft hatte. Ich war müde, innerlich erschöpft und fühlte mich, als würde ich innerlich zerfallen.

Nach dem Frühstück zog ich mich auf mein Zimmer zurück. Ich sah im Spiegel meine verweinten Augen, geschwollene Lider und das erschöpfte Gesicht, das mir entgegenguckte. Ich wusste, dass ich mich noch für die Tagesbelastung zurechtmachen musste – so konnte ich nicht losgehen. Also versuchte ich, mich zu sammeln, mich herzurichten, als könnte ich die Spuren der Nacht und der schweren Gedanken einfach wegwischen. Was natürlich nicht so ganz funktionierte.

Vormittag: Ein wenig Stabilität durch Routine

Später wurde ich von der Pflege in den Tagesurlaub entlassen. Wieder einmal stand ich an der U-Bahn-Station, inzwischen etwas sicherer im Umgang mit den Bahnen. Solange sie nicht überfüllt sind, kann ich es einigermaßen ertragen. Trotzdem war die Fahrt anstrengend, weil mein Kopf einfach nicht zur Ruhe kam.

Als ich schließlich bei meinem Freund ankam, spürte ich eine erste Erleichterung. Ihn und meinen Hund in die Arme zu schließen, war ein Moment der Wärme, den ich dringend brauchte. Es fühlte sich an wie ein sicherer Hafen nach einem Sturm – zumindest für eine Weile.

Nachmittag: Ein Hauch von Normalität

Wir verbrachten den Nachmittag mit alltäglichen Dingen – wir aßen zusammen zu Mittag, hängten Wäsche auf und versuchten, ein wenig Ruhe zu finden. Mein Hund war ein wichtiger Anker für mich. Wir machten eine große Runde mit ihm, und während wir durch die Straßen liefen, versuchte ich mich auf den Moment zu konzentrieren, auf die frische Luft, auf die Bewegungen, auf den Hund, der voller Energie durch das Gras sprang.

Trotz dieser Momente der Ruhe war ich innerlich zerrissen. Die letzten Tage, die ganze emotionale Last der vergangenen Monate, all das wirbelte unaufhörlich in meinem Kopf herum.

Am späten Nachmittag legten wir uns noch einmal hin, weil die Müdigkeit uns überkam. Es war weniger Schlaf als eine Art Dösen, eine Pause vom ständigen Grübeln. Doch die Zeit verging wie im Flug, und bald war es wieder Zeit für mich zu gehen.

Abend: Abschied und Rückkehr zur Realität

Um 17 Uhr musste ich zurück auf Station sein. Ich wollte nicht zu spät kommen, denn alleine der Gedanke, wieder Angst vor Konsequenzen zu haben, setzte mich unter Druck. Also machte ich mich früh genug auf den Weg.

Um 18 Uhr gab es Abendbrot auf Station. Ich saß da, aß mechanisch, während mein Kopf noch zwischen zwei Welten hing – der kurzen Ruhe bei meinem Freund und der Klinik.

Später zog ich mich auf mein Zimmer zurück, doch der Tag ließ mich nicht los. Im Kontakt mit geliebten Menschen gab es belastende Situationen, die mich wieder aus dem Gleichgewicht brachten. Ich fühlte mich erschöpft, leer und doch so voller Emotionen, dass ich kaum atmen konnte.

Ich konnte lange nicht einschlafen. Mein Kopf war laut, mein Herz schwer. Doch irgendwann holte mich die Erschöpfung ein, und ich fiel in einen unruhigen Schlaf.

Fazit: Ein Tag voller Kontraste

Der Sonntag war ein Tag voller Widersprüche. Momente der Geborgenheit wechselten sich mit tiefer Traurigkeit ab. Ich hatte das Gefühl, überall und nirgendwo gleichzeitig zu sein – auf Station und doch nicht wirklich da, bei meinem Freund & Hund und doch nicht ganz bei mir.

Ich merke, dass ich mich verloren fühlte.

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar