Morgen – Ein langsamer Start und gemeinsame Zeit
Der Samstag begann ruhiger als die letzten Tage. Wir waren an der frischen Luft, sind spazieren gegangen und hatten innige Gespräche. Es tat gut, einfach draußen zu sein, ohne feste Pläne oder Ablenkungen.
Auch Kaspar, der Hund, war viel dabei. Ich habe mich wieder mehr mit ihm beschäftigt und spüre, wie ich wieder mehr zu ihm finde. Diese Verbindung ist mir wichtig, denn in den letzten Wochen hatte ich oft das Gefühl, dass mir alles entgleitet. Aber mit ihm Zeit zu verbringen, bringt etwas Stabilität zurück.
Nachmittag – Alltagspflichten und ein kleines Stück Normalität
Nach dem Spaziergang ging es weiter mit alltäglichen Dingen, die sich überraschend gut angefühlt haben. Wir haben aufgeräumt und Wäsche gewaschen, was irgendwie befreiend war. Es sind kleine Aufgaben, aber sie haben Struktur gegeben.
Später sind wir nochmal zu Netto einkaufen gegangen, um ein paar Dinge zu besorgen. Es war kein großer Ausflug, aber es tat gut, einfach einen normalen Moment zu erleben – einen, in dem es nicht um Therapie, Diagnosen oder schwere Gedanken geht, sondern nur darum, dass der Kühlschrank wieder gefüllt wird.
Ein besonderer Moment für mich war, dass wir jemandem geholfen haben, seine Wohnung aufzuräumen. Es hat sich gut angefühlt, nicht nur mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt zu sein, sondern einfach für einen Moment etwas Praktisches zu tun, das jemand anderem hilft.
Nachmittags war die Erschöpfung dann doch spürbar. Wir haben uns hingelegt, einfach um ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Es war kein tiefer Schlaf, eher ein kurzes Entkommen aus der Müdigkeit, die schon den ganzen Tag über mir hing.
Abend – Rückkehr in die Klinik & Verunsicherung
Nach 20 Uhr haben wir langsam den Rückweg angetreten. Diesmal hat mit der Bahn alles gut geklappt – keine Verwirrung, kein Stress. Um 21:35 Uhr kam ich in der Klinik an und meldete mich beim Pfleger zurück.
Doch dann kam etwas, womit ich nicht gerechnet hatte: Der Pfleger meinte, ich sei zu spät – die Rückkehrzeit wäre 20 Uhr. Ich war sofort verunsichert und hatte Angst, etwas falsch gemacht zu haben. Mir wurde 22 Uhr gesagt, aber jetzt stand plötzlich dieser Vorwurf im Raum. Ich wusste nicht, was das für Konsequenzen haben könnte. Habe ich einen Fehler gemacht? Bekomme ich Ärger?
Diese Unsicherheit hat mich noch eine Weile begleitet. Ich ging ins Zimmer, strickte noch etwas und las, bis mir fast die Augen zufielen.
Rückblick: Ein Tag zwischen Normalität und Unsicherheit
Der Tag hatte viele kleine Momente der Ruhe und Struktur, die mir gutgetan haben – Spaziergänge, Gespräche, Hausarbeiten, Zeit mit Kaspar. Aber dann, zurück in der Klinik, kam wieder dieses Gefühl, einen Fehler gemacht zu haben.
Habe ich wirklich etwas falsch gemacht? Oder war es nur eine Misskommunikation? Warum macht mir so etwas so viel Angst?
Ich weiß nicht, was dieser Tag mir gezeigt hat – vielleicht, dass ich mich draußen freier fühle und dass es gut ist, für ein paar Stunden rauszukommen. Aber auch, dass ich noch nicht sicher bin, wie ich mit solchen Situationen umgehen soll.
Ich bin wieder hier. Ich bin müde. Und morgen ist ein neuer Tag.


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