Morgendliche Müdigkeit und die erste Visite
Der Morgen begann schwer. Ich war müde, erschöpft, und der emotionale Stress des Vortags hing mir noch nach. Das Aufstehen fiel mir unglaublich schwer, aber ich kämpfte mich hoch, frühstückte und nahm an der Morgenrunde teil.
Das Frühstück selbst war durchwachsen – immerhin konnte ich ein Brötchen essen, aber die türkische Buttermilch war eine echte Enttäuschung. Ganz anders als die deutsche, irgendwie viel sälziger und einfach unangenehm im Geschmack. Ein kleiner Moment, der mich überraschte, aber letztendlich auch nicht weiter störte.
Ein weiterer Moment, der meine Nervosität ins Unermessliche trieb: Mein Blick fiel auf den Plan an der Küchentür – und ich stand auf Platz 1. Obwohl ich erst den dritten Tag hier war! Sofort schoss mir die Anspannung in den Körper. Was bedeutete das? Warum ich? Ich wurde extrem unruhig und aufgeregt, konnte es aber zumindest in der Visite ansprechen. Die Ärztin nahm mich ernst, was mir ein wenig Sicherheit gab. Sie war sehr nett und verständnisvoll.
Der eigentliche Oberarzt, den ich noch aus meiner DBT-Therapie kannte, war nicht da – er kommt erst nächste Woche wieder. Ich erzählte ihr von meinen Problemen mit starkem Herzklopfen, und daraufhin wurde beschlossen, dass ab sofort dreimal täglich Blutdruck und Puls gemessen werden um eventuell ein Langzeit EKG durchzuführen.
Danach folgte Ergotherapie – eigentlich war für diesen Vormittag ein Gehirntraining mit Rätseln geplant, aber weil die Visite noch lief, konnten wir freie Ergo machen. Ich entschied mich wieder für Pastellkreide – das Malen tat mir gut. Ein kleiner Ruhepol inmitten all der Aufregung.
Mittagessen und eine herausfordernde Sporttherapie
Zum Mittagessen gab es wieder eine große Auswahl – das Essen in der Klinik ist wirklich gut, das muss ich immer wieder betonen. Danach ging es für mich in die Sporttherapie.
Zunächst gab ich meine ausgefüllten Unterlagen ab und erwähnte dabei, dass ich oft einen hohen Ruhepuls habe und meine Bronchitis noch nicht ganz abgeklungen ist. Danach wurde ich an verschiedene Geräte zur Überwachung meiner Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz und meines Blutdrucks angeschlossen.
Die Sauerstoffwerte waren perfekt, was eine Erleichterung war – zumindest war meine Atmung stabil. Dann begann das Ergometer-Training. Ich fuhr 30 Minuten Fahrrad, während meine Werte regelmäßig kontrolliert wurden. Anfangs fühlte ich mich noch okay, aber mit der Zeit begann mein Blutdruck immer weiter zu sinken.
Zum Schluss lag er nur noch bei 88/62 mmHg, während mein Puls auf 104 bpm anstieg. Ich merkte, wie mir schwindelig wurde, und hatte erst Mühe, dagegen anzukommen. Zum Glück stabilisierte sich mein Kreislauf relativ schnell wieder, aber es war ein deutliches Zeichen, dass mein Körper noch nicht voll belastbar ist.
Nach dem Sport aß ich noch den Rest meines Mittagessens, bevor es in die zweite Hälfte des Tages ging.
Ein U-Bahn-Chaos und ein Abend voller kleiner Glücksmomente
Beim Frühstück hatte das Pflegepersonal erwähnt, dass in dieser Woche 10 von 12 Patienten keine Abendbrotbefreiung genommen hatten. Also meldete ich mich spontan – das bedeutete, dass ich am Abend nicht in der Klinik essen musste und mein Freund nicht extra zu mir kommen musste.
Um 16 Uhr machte ich mich auf den Weg zur U-Bahn, doch meine Nervosität, die nicht aktualisierte Haltestellen-Anzeige und meine eigene Unaufmerksamkeit führten dazu, dass ich eine Station zu früh ausstieg. Ein kleiner Umweg, aber ich machte das Beste daraus, lief ein Stück zu Fuß und stieg an der nächsten Haltestelle wieder ein. Von da an klappte alles problemlos.
Bei meinem Freund angekommen, freute ich mich, ihn und meinen Hund zu sehen. Es war Zeit für eine kleine Verwandlung – sein Fell war viel zu lang, also war Haareschneiden angesagt.Zum Glück hatten mein Freund und ein weiterer Bekannter ihn vorher bereits gekämmt und gebadet, sodass ich mich nur noch ums Schneiden kümmern musste. Er sah danach wieder richtig frech und jung aus.
Ein besonders wichtiger Moment: Ich konnte endlich mit meinen Jungs telefonieren. Das erste Mal, seit ich sie am Montag ihrem Vater übergeben hatte. Sie sind während meines Aufenthalts in einer Betreuung, und ich war unglaublich erleichtert, zu hören, dass es ihnen gut geht. Die beiden Kleinen hatten so viel Spaß, dass sie nur kurz mit mir sprechen wollten, bevor sie weiter spielen gingen. Das tat gut – sie fühlen sich dort wohl, und das war alles, was für mich zählte.
Später aßen wir noch gemeinsam, bevor mein Freund mich mit dem Roller zurück zur U-Bahn brachte. Diesmal lief alles problemlos. Ich kam pünktlich zurück in die Klinik, ließ noch einmal meinen Blutdruck messen – und dann fiel ich müde ins Bett.
Ein anstrengender Tag. Ein aufwühlender Tag. Aber auch ein Tag mit kleinen Momenten, die mich innerlich etwas aufatmen ließen.





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